Emotionen: Was im Arbeitsalltag selten sichtbar wird
Emotionen haben im Berufsleben einen ambivalenten Platz.
Sie sind immer da – und doch selten willkommen. Sachlichkeit gilt als Maßstab, Kontrolle als Stärke. Besonders in verantwortungsvollen Rollen wird erwartet, dass innere Regungen nicht nach außen dringen.
Viele Fach- und Führungskräfte beherrschen diese Zurückhaltung meisterhaft. Sie reagieren besonnen, bleiben klar, treffen Entscheidungen auch unter Druck. Nach außen wirkt das souverän und professionell.
Was dabei leicht übersehen wird:
Emotionen verschwinden nicht, nur weil sie kontrolliert werden. Sie verlagern sich nach innen – und erzeugen dort häufig eine leise, dauerhafte Anspannung.
Dieser Blogartikel beschreibt, wie emotionale Belastung im Arbeitsalltag entsteht, warum sie oft unbemerkt bleibt und was emotionale Stabilität jenseits von Kontrolle unterstützen kann.
Aus der Praxis: Im außen souverän, innerlich angespannt
Sabine, 47, ist Abteilungsleiterin.
Ihr Arbeitsalltag ist geprägt von Gesprächen, Entscheidungen und Verantwortung für ihr Team. Nach außen tritt sie ruhig auf, strukturiert, verbindlich. Sie gilt als verlässlich – auch in schwierigen Situationen.
Innerlich jedoch läuft ein anderes Programm.
Gespräche werden gedanklich nachbereitet, Entscheidungen noch einmal überprüft. Nicht aus Unsicherheit, sondern aus dem Anspruch, es richtig zu machen.
Der Gedanke, der sie dabei begleitet, ist unscheinbar, aber wirksam:
„Ich darf mir keine Unsicherheit anmerken lassen.“
Es ist kein akuter Stress, kein dramatisches Gefühl.
Eher eine Grundspannung, die selten ganz verschwindet – auch dann nicht, wenn objektiv alles gut läuft.
Anleitung: 4 Schritte im Alltag
Eine emotionale Regung wird wahrgenommen, noch bevor sie innerlich eingeordnet wird.
Das Gefühl erhält eine einfache, nüchterne Bezeichnung – ohne Erklärung.
Es wird bemerkt, welche inneren Kommentare unmittelbar folgen.
Zwischen Gefühl und Reaktion darf für einen Moment Raum entstehen.
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Extra-Impuls: Bemerken und anerkennen
Emotionale Selbstkontrolle wird im beruflichen Kontext häufig mit Professionalität gleichgesetzt. Dabei bleibt unbeachtet, wie viel Energie diese dauerhafte innere Regulation bindet.
Nicht jede emotionale Regung verlangt nach Steuerung.
Manche verlangen lediglich danach, gehört und innerlich anerkannt zu werden.
Fazit
Emotionale Stabilität entsteht nicht durch das Ausblenden von Gefühlen.
Sie entsteht dort, wo innere Reaktionen wahrgenommen werden dürfen, ohne sie sofort zu korrigieren oder zu kontrollieren.
Diese Form von Klarheit wirkt oft stabilisierender als jede Disziplin.
Wenn emotionale Anspannung den Arbeitsalltag begleitet – auch ohne sichtbare Krise –, kann ein persönliches Gespräch zur Klärung beitragen.
Über das Kontaktformular lässt sich ein vertraulicher Austausch vereinbaren, um emotionale Stabilität reflektiert zu stärken.
Emotionale Agilität, von Susan David
Ein fundierter, gut zugänglicher Blick auf den professionellen Umgang mit Emotionen – gerade für Menschen mit viel Verantwortung.
